Die technischen Anforderungen an Websites und deren Content Management Systeme, wie TYPO3, nehmen täglich zu. Um einen reibungslosen Ablauf im Netz zu garantieren, Sicherheitslücken dauerhaft zu schließen und die Performance auf einem hohen Niveau halten zu können, sind TYPO3-Upgrades ein unverzichtbares Mittel. Wir haben mit unserem Technischen Leiter und ausgewiesenen TYPO3-Spezialisten, Michael Kasten, gesprochen, der uns zu dieser Thematik Rede und Antwort stand.

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Hoch hinaus mit einem TYPO3-Upgrade. / Bild: in2code

Lieber Michael, warum hältst Du Versions-Upgrades von TYPO3 für wichtig?

Zunächst muss man hier zwischen regulären Updates innerhalb einer Major-Version und Versions-Upgrades unterscheiden. Laufende Updates müssen zeitnah eingespielt werden, da es sich oft um Security Updates des laufenden Systems handelt. Diese Updates sind in den meisten Fällen unkritisch und mit relativ wenig Aufwand umsetzbar. Das Thema, das die TYPO3-Welt im Jahr 2014 am meisten beschäftigen wird, sind aber die anstehenden Upgrades der auslaufenden TYPO3-Versionen auf dann aktuell verfügbare Versionen. Hier wird sich nämlich auch vieles an TYPO3 Core Technologie ändern.

Welche Risiken gehen Kunden ein, die kein Update durchführen lassen?

Da der Support für die alten Versionen auslaufen wird, werden in Zukunft auch bei Bekanntwerden von Sicherheitslücken keine oder keine zeitnah verfügbaren Updates zur Verfügung stehen. Das System wird also zwangsläufig sehr unsicher, je nachdem wie schwer diese Sicherheitslücken wiegen. Im schlimmsten Fall kann dies den Verlust des Projektes oder des kompletten Servers nach sich ziehen. Aber auch ungeachtet der Sicherheitsthematik wird die Kluft zwischen den Anforderungen des dann veralteten TYPO3-Systems und der vorhandenen Systemumgebung immer größer: Beispielsweise dann, wenn eine neue PHP-Version notwendig wird, da die alte Version nicht mehr verfügbar ist.

Warum sollten sich Nutzer dann für ein Upgrade entscheiden? Welche Sicherheiten werden durch ein solches Update geboten?

Man erhält ein System, das sich von einigen Altlasten entledigt hat und somit in den aktuell verfügbaren Systemumgebungen performant läuft. Unser Ziel ist es, alle Installationen in eine Version größer als 6.2. zu überführen, da es sich hierbei um eine LTS-Version (Long Term Support-Version) handelt und Bugfixes über einen Zeitraum von drei Jahren gewährleistet werden.

Kann man ein Upgrade nicht auch selber machen, wenn man einen Zugang zum Backend besitzt?

Nein. Upgrades werden auf  Dateiebene durchgeführt. Bei größeren Updates und insbesondere bei einem Release-Wechsel müssen die Upgrades anhand einer Arbeitskopie getestet werden. Eventuell wird es auch notwendig sein, bestimmte Extensions anzupassen oder auszutauschen.

Welche älteren TYPO3-Versionen werden überhaupt noch unterstützt und wie lange kann man mit Support dieser alten Installationen rechnen?

Die aktuelle TYPO3-Roadmap sieht vor, dass die Version 4.5 LTS noch bis April 2015 unterstützt wird. Bei den restlichen Versionen läuft der Support dem Ende entgegen – 4.7 und 6.1 werden beispielsweise nur noch bis Oktober 2014 unterstützt. Allerdings sollte man sich schon jetzt mit dieser Thematik auseinandersetzen, da der Release-Wechsel auch unter Berücksichtigung der verwendeten Erweiterungen stattfinden muss.

Wird meine Website eins zu eins übertragen oder muss ich im Rahmen des Upgrades mit optischen Veränderungen (OnSite) rechnen?

Die Darstellung der Seite bleibt davon unberührt.

Gehen bei einem Versionsupgrade meine Inhalte verloren, beispielsweise Text- und Bildcontent? Und was passiert mit meinen SEO-Anpassungen, wie Meta-Daten und Backlinks?

Inhalte sollten nicht verloren gehen. Problematisch können aber die liebgewordenen Erweiterungen sein – sofern diese nicht für die neuen Versionen angepasst worden sind.

Was ändert sich für mich im Backend?

Im Großen und Ganzen nicht viel: Die gewohnten Ansichten bleiben vorhanden. Allerdings gibt es doch viele Verbesserungen im Handling. Beim Testen der Betaversionen von TYPO3 6.2, reagiert das Backend beispielsweise gefühlt schneller auf Benutzeraktionen.

Wie lange dauert ein solches Upgrade? Ist die Website, die aktualisiert wird, während des Upgrades offline?

Das lässt sich pauschal nicht wirklich sagen, da hier viel am Projektumfang und den verwendeten Erweiterungen hängt. Die meiste Zeit wird wahrscheinlich durch den Austausch bzw das Eruieren von Alternativen für nicht mehr unterstützte Erweiterungen verbraucht werden. Nicht zu vergessen: Das Aufsetzen und Testen der Upgrades auf Entwicklungsversionen. Das sind Schritte die notwendig sind, um Ausfallzeiten zu verhindern oder zu minimieren.

Wie können wir als Agentur Webfox unseren Kunden in Sachen TYPO3-Upgrade unterstützen?

Zuallererst sollte so ein Upgrade auch als Chance verstanden werden, sich grundsätzliche Gedanken über die Inhalte und Funktionen seiner Website zu machen. Wir können für den Kunden eine Migrationsstrategie erstellen, in der wir dann beispielsweise aufführen, welche Erweiterungen weiterhin benutzt werden können und welche ersetzt werden müssten. Über die erfassten Besucherzahlen lässt sich außerdem feststellen, wer, wann, wo, für wie lange die Seite besuchte: So kann in diesem Zuge auch der Content angepasst werden. Somit ist das Projekt nach Fertigstellung nicht nur technisch, sondern auch aus Benutzersicht, wieder „up to date“.

Eine der wichtigsten Fragen zum Schluss: Was kostet mich ein solches Versions-Upgrade?

Hier gilt das gleiche wie zur Dauer eines Updates: Die Kosten hängen stark vom Projektumfang ab. Wir ermitteln derzeit auf Anfrage die aktuelle Kostensituation. Das sind allerdings keine verbindlichen Zahlen. Sie dienen eher der ungefähren Budgetierung. Derzeit ist viel Bewegung in diesem Bereich – und es kann durchaus sein, dass eine verwendete Erweiterung zum heutigen Tage noch als zu ersetzen kalkuliert wird, aber zum Zeitpunkt des tatsächlichen Umzuges dann doch in einer neuen lauffähigen Version vorliegt.

2014-03-10_typo3-upgrade-interview-michael-kastenMichael Kasten ist seit vielen, vielen Jahren in der Web-Entwicklung unterwegs: Er „spricht“ die Programmiersprachen HTML, PHP, CSS, SQL und Python fließend und ist außerdem mit einer langjährigen Erfahrung in der Erstellung von Individuallösungen und datenschutzkonformen Web-Angeboten ausgestattet. Seit knapp zehn Jahren ist der zertifizierte TYPO3-Integrator Technischer Leiter bei Agentur Webfox.

 

 

Bild (oben): Mit freundlicher Genehmigung von in2code!